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Nur der Fünfer?

Wenn sich Läufer vor einem Wettkampf unterhalten, dann kann man als Zuhörer den Eindruck bekommen, dass sich die gegenseitige Wertschätzung der Leistung vor allem an der gelaufenen Streckenlänge orientiert. "Nein, ich laufe nur den Zehner", heißt es da oft, wenn bei der gleichen Veranstaltung auch noch ein Halbmarathon auf dem Programm steht.
Wie schnell und mit welchem Leistungsaufwand die kürzere und damit vermeintlich leichtere Distanz absolviert wird, bleibt meist außen vor.

Auch für die meisten Laufveranstalter ist die längere Distanz das Hauptevent ihrer Veranstaltung und wird bei der Preisvergabe entsprechend gewürdigt.

Besonders eklatant ist dieser Umstand, wenn z.B. im Rahmen eines Zehn-Kilometer-Laufes auch ein Lauf über fünf Kilometer auf dem Programm steht. Meist wird die kürzere Distanz nur als Jedermannlauf ohne Altersklassenwertung ausgeschrieben, oft auf einer nicht amtlich vermessenen Strecke.

So orientieren sich die schnellsten Läufer meist auf die längere Distanz und auch die ambitionierten Altersklassenläufer sichern sich lieber über zehn Kilometer den Preis für eine vordere Platzierung in ihrer Klasse, als über fünf Kilometer, wo meist nur die ersten Drei im Gesamteinlauf etwas bekommen, leer auszugehen.

Wenn sich dann doch mal ein richtig schneller Läufer auf die fünf Kilometer traut und dann einsam und allein vor dem Rest des Feldes herläuft, kann er sich oft noch mit den Anfeindungen seiner Mitläufer auseinander setzten: "Da schnappt so ein 'Profi' uns Hobbyläufern wieder die Preise weg", heißt es dann oft. Dabei geht es dem vermeintlichen Profi durchaus nicht um die Flasche Duschgel, die er als Sieger mit nach Hause nehmen darf, sondern vor allem um die schnelle Zeit die er dort laufen kann. Mal ganz abgesehen davon, von dem Spaß, den ein solcher Lauf, der wesentlich mehr anaerobe Fähigkeiten als ein Zehner erfordert, macht. Dagegen entscheiden sich mittlerweile viele Hobbyjogger, die oft als ersten Wettkampf gleich einen Marathon laufen, eher für die zehn Kilometer.

Dass es auch unter den schnellen Läufern durchaus einen Bedarf für Fünf-Kilometer-Läufe auf der Straße gibt, zeigen die wenigen Wettkämpfe, die auf einer schnellen, offiziell vermessenen Strecke mit einer kompletten Altersklassenwertung ausgetragen werden. Unvergessen ist hier immer noch der Rosellener Abendlauf, bei dem in den frühen 90er Jahren einmal mehr als 80 Läufer unter 20 Minuten ins Ziel kamen und für eine Platzierung unter den ersten Fünf eine 15er-Zeit nötig war, obwohl auch ein Halbmarathon im Programm war.

In den USA findet man übrigens jede Menge Wettkämpfe, bei den die Fünf Kilometer die Haupt- oder die einzige Distanz sind. Herausragendes Beispiel ist das Carlsbad 5000, das alljährlich im März in Kalifornien stattfindet und dabei nicht nur eine fünfstellige Teilnehmerzahl an den Start bringt, sondern auch für Weltklasseleistungen gut ist. So lief dort der Kenianer Sammy Kipketer mit 13:00 Minuten die Weltbestzeit für die fünf Kilometer auf der Straße.

Vielleicht traut sich ja der eine oder andere Laufveranstalter, in Zukunft die fünf Kilometer zu seinem Hauptwettbewerb zu machen. Dann kann man ja immer noch sagen: "Nein ich laufe heute nicht die Fünf, sondern nur den Halbmarathon".

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