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Wettkämpfe

Paderborner Osterlauf

Bestzeit - oder einfach nur 3:30

Es gibt Rennen, die man schnell wieder vergisst und es gibt solche, die einem Läufer unauslöschlich im Gedächtnis bleiben.

Einen dieser Läufe aus der zweiten Kategorie beschreibt der Essener Andreas Menz (damals noch Andreas Tews) im nachfolgenden Bericht. Es ist sein Weg zur 10 km-Bestzeit beim Paderborner Osterlauf 2003.

Mittlerweile hat Andreas Menz aufgrund einer hartnäckigen Knieverletzung die Laufschuhe gegen das Rennrad eingetauscht. Der Laufszene ist er aber als Streckensprecher bei zahlreichen Straßenläufen erhalten geblieben. Info: www.andreas-menz.com

Es sollte ein Test werden - Formüberprüfung nach einer 3-wöchigen "Leidenszeit" beim Zahnarzt. Zahnsanierung ist nötig, zudem bringt es etwas an Optik zurück. Während dieser Zeit war „flüssige Nahrung“ angesagt, so dass so manche Trainingseinheit in der letzten Zeit zu einem Debakel wurde. Schlimm ist es, wenn man nach einer Stunde im 5:15er Schnitt sich vorkommt wie nach einem Marathon.

Noch am Mittwoch wollte ich kurz überprüfen wie es um dem Druck in den Beinen bestellt ist. 4 x 1 km war das Ziel in 3:30. Mutiger war ich nicht, wusste ich doch um die letzten Tage. 3:27/3:29/3:25/3:31 wurden es und lasst euch gesagt sein: Jeder Tausender war herausgequetscht wie mit dem Nudelholz über eine leere Senftube.

So etwas macht auch nicht sonderlich optimistisch, zumal wenn man nach Paderborn fährt. Alljährlich die Ballerstrecke nach dem Bayer-Kreuz in Leverkusen. Statistik 2002: Die ersten 50 Läufer/innen unter: 34:00. uffz......!!!

Samstag - Paderborn -13:00 MEZ: Ein panischer Läufer sucht verzweifelt seine Wettkampfsocken. Dünn - leicht und bestzeiterprobt...na Gott sei Dank, da ist die eine...aber die andere...die Sporttasche wird ausgekippt auf den Bürgersteig...und du hast sie doch eingepackt, da bist du dir sicher...scheiße...die Zeit läuft dir davon. Nun denn, muß der Nike Ghost Racer halt deine blanken Füße aushalten, denn in den Socken die du anhast, mit denen kannst du doch nicht schnell laufen. Falke RU 3, die trägt man im Winter. Damit läufst du ja wie auf Watte, wie sollst du denn da ein vernünftiges Renngefühl bekommen.

Na gut, also los zum Start, denn da wartet die nächste Herausforderung. Über 2000 Läufer/innen wollen natürlich die beste Ausgangsposition haben und zu lange im Startblock stehen, der rechts wie links Gitter hat, willst du ja auch nicht. So versuchen wir eben von vorne hineinzukommen. Kumpel Jochen gab ja den Tip. Der kann es. O.k. da ist der Block, kein Ordner, also los nix wie rein. Rechts halten sagte Jochen, es folgt eine Linkskurve nach dem Start da wird es eng. Alles klappt nach Plan. 1 Meter hinter der Chipmatte, was will man mehr. Aber ein Gedränge, da begeht ja selbst die dosenerfahrene Ölsardine Selbstmord.

13:30 MEZ: Peng - Es geht los...mein Gott, ein Hauen und Stechen wie Bayer-Kreuz und Cross-DM Mittelstrecke zusammen, noch nie hatte ich so viele verschiedene Ellenbogen im Gesicht. Dennoch, der Tip mit rechts einordnen war Gold wert. Katrin Dörre läuft nach langer Zeit ihr erstes Rennen, welche Ehre für mich, sie im gleichen Rennen zu haben, und...oh, da ist sie ja, na ja laufen wir mal etwas mit, vielleicht erwischt uns ja eine Kamera. Ein Titelfoto auf dem Spiridon, das wärs doch.

Aber vom Gefühl her war es doch noch recht langsam. Nee, lieber schneller, sie war ja verletzt und will sicherlich nicht voll laufen. Oh, Katrin Wessel. Ja die kann es, läuft scheinbar auch nicht zu schnell. Tempo ist angenehm. Bestandsaufnahme der Beine..."geht schon Junge, das bekommen wir hin". Nun gut, Blick auf die Uhr, der erste Km müsste eigentlich kommen...3:40...41...42..43 scheiße, den hast du verpasst also weiter. Es bildet sich langsam eine Gruppe um die Wessel, schön hinten bleiben...da kommt ja auch schon der 2. km.....nee, ne...6:26...ich schaue zu meinem Nebenmann, der schaut auch und würgt ein, "Perfekt" heraus.....3:13 er Schnitt perfekt??? Aber die Gruppe ist doch so klasse und du fühlst dich doch auch noch so locker, was man bei dem Tempo locker bezeichnen kann. Die Gruppe wird langsamer und plötzlich bin ich an der Spitze...Gott was machst du hier...Km 3: 9:49 min...friss oder stirb in Schönheit. Km 4: 13:14 min....da die Hälfte... Km 5 Wessel, Tews und der Rest durchlaufen sie in...mein Gott, das kann nicht gut gehen, 16:39 min.

Nun wird es doch langsam härter. Meine Füße äußern sich, dass sie doch die Bequemlichkeit von Socken bevorzugt hätten. Die Wessel zieht langsam davon, oder bin es nur ich, dem langsam das Benzin ausgeht...3:26 der letzte Km, nee die zieht, na warte ich werde kämpfen, außerdem wenn ich jetzt jeden Km in 3:30 laufe wird es ne Bestzeit. 34:19 gilt es nun zu knacken. Ist auch schon 5 Jahre alt die Marke. An die 34 min denke ich nicht, denn dafür merke ich, sind die Beine wohl nicht locker genug. Wir sind allein. Wir, das ist nicht mehr die Berlinerin und ich, die nun knapp 20 Meter vor mir stiefelt, sondern ein Mitstreiter der wie ich scheinbar zu kämpfen hat. 3:30, 3:30, nur 3:30 mußt du laufen... 8 km, 27:00 min., da geht noch was Junge, denk nicht an die Beine, die tun eh was der Kopf sagt, sag denen einfach nur 3:30, noch 2 mal bitte, und dann hast du doch die 33 er Zeit. Das passt heute.

Seitenstraße, Wind von vorne, Kurven, scheiße ich hab keinen Bock mehr, mann was tut das weh, nicht zu hart bis Km 9, dann ziehst du nochmal dran...ja genau, so kann das auch gehen. Km 9 kommt da vorne, bitte laß es wieder eine 3:30 werden, denn schneller war es sicherlich nicht, sagen zumindest die Beine und die sollten es ja wissen. Oh no, 3:39, war der zu lang??? 30:39 min. Nun denn, das geht aber immer noch, 3:21 den letzten, die Zielgerade mit den Zuschauern wird dir helfen, den letzten kannst du immer noch schnell rennen. Anfahrt zur Zielgeraden, wo kommt der ganze Wind nur her...Linkskurve, Zuschauer, überall... "und da kommt Andreas Tews von Tusem Essen im roten Trikot". Burkhard Swara, hat mich erkannt. Zieh Junge, die Chance bekommst du nicht oft. 33:55..56...ich seh die Zieluhr...57..58..59 neeeeeeeiiiiin, ich kann nur schreien...34:00...01...02...ich werde langsamer auf den letzten Metern, vorbei....34:07.

Bestzeit ,mensch Junge freu dich doch. Aber die 7 Sekunden, ich muß kämpfen, dass die Frusttränen drin bleiben, so nah und doch so weit. "Scheiße", ich weiß nicht, wie oft ich das im Zielkanal rufe. Die Wessel ist 33:58 gelaufen, deine Zeit. 34:07 min.- 3:24er Schnitt. Damit wird man in Paderborn 65. im Gesamteinlauf.

Ich kann sie schon hören, die Leute denen ich im Vorfeld sagte, ich kann im Moment nix, das Training lief bescheiden. Der ist auch so ein Blender, der sagt er trainiert nicht, dabei geht er 7 mal in der Woche auf die Piste. Aber lasst euch gesagt sein, es war so und ich hätte am wenigsten mit dieser Zeit gerechnet. Den ewig kritischen kann ich nur sagen, die Strecke ist DLV- und IAAF vermessen.

Nun kann das geregelte Training wieder losgehen...nein noch nicht ganz, denn gleich laufe ich ja noch den Halbmarathon mit Britta, die hat gut trainiert und Bestzeitform. Hoffentlich geht das gut.

PS: Britta lief 1:35:05 als 16te Frau, und verbesserte ihren Hausrekord nochmals um 2:55 min. Andreas lief sich mit Socken Blasen an den Füßen und verzichtete auf das Auslaufen nachher. Außerdem war er platt.

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