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Wettkämpfe

Auf Abwegen unterwegs

Bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in München im Oktober 2014 wurde der zweitplatzierte Tobias Sauter disqualifiziert, weil er angeblich unerlaubt auf der Strecke abgekürzt hatte.

Aber hat er wirklich gegen die Regeln verstoßen und sich einen unerlaubten Vorteil verschafft oder ist er doch nur auf der Ideallinie gelaufen? Eine Frage mit weitreichender Bedeutung für alle Straßenläufe.

Doch zunächst sollten wir noch einmal zusammenfassen worum es überhaupt geht und was genau in München passiert ist.

Bei etwa Kilometer 34 holte Tobias Sauter die vor ihm liegenden Dominik Fabianowski und Niels Bubel ein. Genau an dieser Stelle ging es nach rechts um eine Kurve. Während Fabianowski und Bubel in dieser Kurve auf der Fahrbahn blieben, lief Sauter den kürzesten möglichen Weg über den Gehweg. An dieser Stelle signalisierte weder eine Absperrung noch ein Signalband noch sonstiges Material, dass sich die Strecke nur auf die Fahrbahn beschränkte.

Daraufhin wurde Sauter von einem Radfahrer, dessen Funktion nicht zu erkennen war (es war Roman Fabianowski, Betreuer ASV Köln/Vater und Trainer des späteren zweitplatzierten Dominik Fabianowski), aufgefordert, das nicht noch einmal zu machen. Um kein Risiko einzugehen, blieb Sauter dann im weiteren Streckenverlauf auf der Fahrbahn. Zwischen Kilometer 37 und 38 tauchte ein Kampfrichter auf einem Motorrad bei ihm auf und zeigte ihm die Rote Karte. Nach einer Diskussion mit dem Motorradfahrer bestand Sauter darauf weiter zu laufen und setzte das Rennen bis zum Ziel fort.

Im Ziel wurde ihm mitgeteilt, dass er disqualifiziert worden wäre. Der Einspruch von Tobias Sauter, in dem er die Vorkommnisse schilderte, wurde von der Jury mit folgender Begründung abgelehnt: "Der Athlet Sauter hat mehrfach die Laufstrecke verlassen und somit abgekürzt. Dies wird vom Athleten nicht bestritten.". Nach Anhörung der Zeugen Brandt (Kampfrichter) und Roman Fabianowski ist die Jury zur Überzeugung gelangt, dass er sich dadurch einen Vorteil verschafft hat. Somit ist ein Verstoß gg. R 240.9 und 10 gegeben. Eine Straßenlaufstrecke begrenzt sich lt. R 240.2 und 3 auf die "Straße"

Einen faden Beigeschmack bekommt die ganze Angelegenheit durch die Besetzung der Jury. Immerhin war eines der Jurymitglieder Wettkampfleiter bei jenem unseligen Marathon in Mannheim, wo im Frühjahr zahlreiche Läufer fehlgeleitet wurden. Unter ihnen auch Tobias Sauter, der dadurch an aussichtsreicher Position liegend um einen möglichen Erfolg gebracht wurde, der Wettkampfleiter wurde im Anschluss seines Amtes enthoben. Und dass ausgerechnet der entscheidende Zeuge für den angeblichen Regelverstoß von Sauter mit einem seiner sportlichen Konkurrenten verwandt ist, mutet auch ein wenig merkwürdig an.

Doch dies alles soll uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren, vielmehr wollen wir einmal versuchen zu klären, ob es tatsächlich einen Regelverstoß von Tobias Sauter gegeben hat oder ob die Disqualifikation zu unrecht erfolgt ist. Dies vor allem auch im Hinblick auf zukünftige Veranstaltungen, um den Teilnehmern eine gewisse Sicherheit zu geben, was erlaubt ist und was nicht. So gab es z.B. auch beim Frankfurt Marathon gerade im Innenstadtbereich zahlreiche Ecken, an denen über den Bürgersteig deutlich gegenüber dem Fahrbahnverlauf abgekürzt werden konnte und die von vielen Läufern auch so gelaufen wurden.

Werfen wir also einmal einen Blick ins Regelwerk, genauer gesagt auf die für den Straßenlauf relevante Regel 240 der Internationalen Wettkampfbestimmungen (IWR), auf die ja auch die Jury in ihrer Entscheidung Bezug nimmt. So wird dort in Absatz 2 erst einmal festgelegt, dass Straßenläufe auf befestigten Straßen ausgetragen werden müssen. Wer hier aber Straße mit Fahrbahn gleich setzt, der liegt falsch, denn explizit wird hier weiter darauf hingewiesen, dass die Strecke auch über einen Rad- oder Fußweg führen darf. Nimmt man nun noch die Straßenverkehrsordnung hinzu, so erfährt man, dass zu öffentlichen Straßen im Sinne des Gesetztes die Fahrbahnen,...,Gehwege, Radwege,... gehören. Bis hierhin hat Tobias Sauter also noch nichts falsch gemacht.

Kommen wir also zu Absatz 3 der Regel 240. Demnach ist die Strecke entlang des kürzest möglichen Weges zu vermessen, den ein Läufer nehmen kann, was im vorliegenden Fall ohne Zweifel der Weg über den Bürgersteig war. Hätte man verhindern wollen, dass so gelaufen wird, dann hätten ensprechende Absperrmaßnahmen getroffen werden müssen, was hier allerdings nicht der Fall war. Da vorgesehene Absperrungen im Vermessungsprotokoll angegeben sein müssen, könnte nun noch nachprüfen, ob für diese Stelle tatsächlich keine Absperrung vorgesehen war oder ob diese nur beim Streckenaufbau vergessen worden war. Da in München die Ideallinie nicht wie andernorts üblich mittels blauer Farbe markiert war, mussten die Athleten davon ausgehen, dass alleine die baulichen Gegebenheiten (Gebäude) die Strecke begrenzten.

Dies führt uns nun zu dem Schluss, dass Tobias Sauter die Wettkampfstrecke nicht verlassen hat, so dass ein Verstoß gegen die Abschnitte 9 und 10 der Regel 240 (Verlassen der Strecke) hier nicht vorliegt und in sofern die Disqualifikation nicht gerechtfertigt war.

Wir werden die Entwicklung in diesem Fall weiter beobachten.

Weitere Links zum Thema:

Interview von Martin Grüning mit Tobias Sauter auf runnersworld.de
Stellungnahme von Tobias Sauter zu dem Vorfall auf Facebook

Laufseminare in der Rureifel